Freitag, 08.06.2007 – Auf zu den Sternen
By jens | Juni 20, 2007
So, jetzt ist es Samstag Abend und nach zwei spannenden Tagen komme ich endlich wieder dazu ein paar Zeilen zu schreiben. Mal schauen, ob ich beide Tage in einen Bericht packe, oder sie doch noch trenne.
Gestern ging es jedenfalls mal wieder früh aus dem Bett, auch wenn ich noch nicht wusste, ob mein Plan, dass Kennedy Space Center (KSC) zu besichtigen klappen würde, denn für gestern war auch ein Space Shuttle Start geplant. Nach einem kurzen Frühstück im Hotel ging es schnurstraks zum KSC. Dort angekommen stellte ich erleichtert fest, dass es offen ist.
Dann hieß es jedoch erstmal eine gute halbe Stunde warten. Nicht wegen der Warteschlangen. Nicht deshalb, weil ich außerhalb der Öffnungszeiten gewesen wäre. Nicht, weil ich an der falschen Kasse stand. Nein, die Dame an der Kasse konnte mit meinem Voucher von Meyers Weltreisen schlichtweg nichts anfangen. Schließlich fand sie aber noch Hilfe und so kam ich an mein Ticket ebenso wie an die Tickets für “Lunch with an Astronaut” und die “Nasa Close Up Tour” am Folgetag.
Dann ging es endlich rein. Ich hatte mich erstmal etwas im Visitor Center umgeschaut. Da die Schlangen für die kostenfreie Bustour ziemlich lang waren, habe ich beschlossen, dies erst später zu machen. Stattdessen bin ich vor einem großen Gebäude mit dem Namen “Shuttle Launch Experience” (Space Shuttle Start Simulator) gelandet. Klang ja nicht schlecht, also rein (vorher noch alle Sachen einschließen).
In dieser erst vor wenigen Wochen eröffneten Attraktion kann man erleben, wie sich der Start in einem Space Shuttle anfühlt. Dazu wird man in eine Kabine gesetzt, die dann um 90 Grad in die Vertikale gedreht wird. Dann ruckelt es ganz ordentlich, die Raketentanks werden mit einer Explosion abgestoßen und schließlich ist mein im Orbit. Das Ganze ist wirklich nett gemacht, auch wenn ich mir denke, dass die tatsächlichen Kräfte, die bei einem solchen Start wirken noch viel größer sind. Dennoch sollte man sich das nicht entgehen lassen, insbesondere, wenn es noch so leer ist, wie bei mir.
Danach ging es dann zur Bustour, die jetzt schon deutlich leerer war. Im 15 Minutentakt fahren die Busse durch das Gelände mit normalerweise 3 Stopps:
- Launch Obervation Deck
- Apollo / Saturn Center
- ISS Center
Die Aussichtsplattform für die Launch Pads (Startplattformen) der Space Shuttles war wegen dem Start heute leider geschlossen. Insofern ging es direkt zum Apollo / Saturn Center. Nach kurzer Wartezeit gab es dann einen Film über das Apollo-Programm und die Saturn Rakete. Dann ging es einen Raum weiter. Hier in genau diesem Raum wurde seinerzeit der Start der Missionen verfolgt. Die Gerätschaften sind noch alle Original und wurde nur im vorderen Teil des Raumes zusammengeschoben. Auch hier gab es einen weiteren Film.
Danach wurden wir uns selbst überlassen in einem großen Raum mit einem Modell der Saturn-Rakete. Viel spannender war es jedoch erstmal raus zu laufen, um einen Blick auf die Startrampen zu erhaschen. Dies gelang mir auch, nur aus sehr sehr großer Entfernung. Bei entsprechender Vergößerung des Bilds kann man das Shuttle jedoch erkennen (der weiße Punkt bei der Startrampe).
Danach habe ich mir dann die Rakete angeschaut. Es handelt sich dabei um ein 1:1-Modell. Hier konnte man mal wirklich alle Zündstufen und Module deutlich erkennen.
Die erste Zündstufe beschleunigt die Rakete auf gut 5.000 Meilen pro Stunde in ca. 2,5 Minuten. Dabei verbraucht sie 15t Treibstoff pro Sekunde (!). Ein Bild der ersten Stufe seht ihr oben.
Danach wird die erste Stufe abgestoßen und die zweite Stufe greift. Ebenfalls mit 5 Düsen bestückt überbrückt sie die nächsten 6,5 Minuten.
Weiter geht es dann mit Stufe 3, die nur noch ein Triebwerk hat. Mit diesem Tank wird auch die Endgeschwindigkeit von 24.000 Meilen pro Stunde erreicht.
Dadrüber ist dann das Instrumentenmodul, wo sich die Steuerung befindet.
Als nächstes kommt der wirklich interessante Teil der Rakete: die Kapsel für das Mondfahrzeug, denn zu dessen Transport war die Saturn-Rakete gebaut.
Darüber ist das Service Modul, womit u.a. Sauerstoff- und Wasserversorgung der Astronauten sichergestellt wurden.
Und schließlich ist dann noch das Command Modul. Dieses ist das einzige Teil, was für den Rücktransport der Astronauten zur Erde vorgesehen war.
Um das Mondfahrzeug herauszuholen wurde übrigens das kombinierte Command- und Service Modul umgedreht und Kopfüber an das Mondfahrzeugmodul angedockt. So wurde das Mondfahrzeug dann herausgezogen.
Ich fand diesen Tourstop unheimlich interessant, da man den Aufbau der Rakete wirklich nachvollziehen konnte. Wieder etwas schlauer
Dann ging es weiter zu einem Gebäude, in dem die letzten Module für die Internationale Raumstation ISS gefertigt werden bzw. den letzten Schliff vor dem Transport ins alle bekommen.
Man konnte auch die verschiedenen Modularten (Wohnmodul, Versorgungsmodul, Labor, Verbindungsmodul) besichtigen. Ein paar Bilder:
In der Fertigstellungshalle steht auch das europäische Forschungsmodul Columbus und wartet auf seinen Transport zur ISS.
Wenn die ISS 2010 fertig ist, soll man sie sogar von der Erde sehen können. In diesem Gebäude gab es allerdings nicht mehr zu sehen und somit ging es wieder mit dem Bus zum Visitor Center, denn die Tour war damit zu Ende.
Schade, dass sowohl die Startrampen als auch das Startvorbereitungsgebäude (VAB – Vehicle Assembly Building) heute nicht in der Tour waren, aber am zweiten Tag sollten sie dann in der Close-Up Tour sein.
Zurück, habe ich mich kurz gestärkt und dann ging es zur Explorer, dem 1:1-Nachbau eines Space Shuttles, was auch von innen besichtigt werden kann.
Zwischendrin war ich dann nochmal im Launch Status-Zelt, um zu horchen, ob beim Start noch alles beim Alten ist.
Schließlich gab es noch den Rocket Garden zu besichtigen. Hier findet sich die weltweit größte Sammlung von Raketen. Alle Raketen hier sind echt und einsatzbereit!
Direkt hinter dem Rocket Garden war auch noch eine Ausstellung, die sich der frühen Raumfahrt gewidmet hat. Auch diese war interessant und da bis zum Start ja noch einige Zeit war, habe ich sie mir auch noch angeschaut.
Da immer noch genug Zeit war, bin ich noch zum Mahnmal für die Astronauten gegangen, die ihr Leben im Job gelassen hatten.
Hier war dann auch später mein Beobachtungsposten für den Shuttle-Start. Vom Besucherzentrum aus hat mein leider keinen freien Blick auf die Startrampe, aber ansonsten war die Aussicht gut.
Und dann um 19:36 Uhr war es dann soweit. Das Space Shuttle Atlantis hob zur Mission STS-117 ab. Ein absolut tolles Gefühl, dass Shuttle aufsteigen zu sehen. Und es ging auch alles glatt. Hier ein paar Bilder vom Start.
Auf dem letzten Bild sieht man bei genauem Hinschauen neben dem Shuttle noch zwei glühende Punkte. Dies sind die Treibstofftanks, die zu diesem Zeitpunkt bereits abgetrennt waren. Der Haupttank wird erst später abgestoßen und er ist auch der einzige Teil des Shuttles, der nicht recycled wird, sondern in der Atmosphäre verglüht.
Nach wenigen Sekunden war das Spektakel vorrüber und übrig blieb eine tolle Wolkenformation, die mich auch auf dem Heimweg ins Hotel noch eine Weile begleitet hat.
Noch spät in der Nacht konnte man das Shuttle als leuchtenden Punkt am Himmel erkennen. Und dazu hatte ich reichlich Zeit, denn der Weg zum Hotel, der am Morgen 20 Minuten dauerte, streckte sich durch den Stau der abfahrenden Fahrzeuge auf gut 2 Stunden. Aber mir konnte nichts mehr die Laune verderben, denn ich hatte einen absolut tollen Tag gehabt. Schließlich kam ich über eine Alternativstrecke, die ich einfach nach Gefühl gefahren bin, gegen 22:30 Uhr wieder im Hotel an.
Da der Bericht doch wieder etwas länger ist (
) geht es in einem separaten Artikel mit dem Bericht von heute (Samstag) weiter. Den muss ich allerdings dann morgen schreiben, da ich jetzt ab in den Koje springe, denn morgen geht es wieder früh raus und ab nach Disneyworld.




































